Reisesplitter - Berichte von den Reisehighlights der Canyoncrawler Schluchten, Berge &  Meer Reiseimpressionen aus Südfrankreich  © 2000 - 2011 K. Hannappel-Fein/ F. Fein - Alle Rechte vorbehalten! Tag 1: Bedoin – Suzette - Chateau le Barroux Die Mautsparende, aber zeitaufwendiger Anreise über Grenoble bescherte uns am Vortag zwar eine landschaftlich schöne Fahrt auf verschiedenen National- und Departmentstrasse, sorgte aber auch dafür, dass wir unser Ziel Bedoin erst am frühen Abend erreichten, zu späten für einen Besuch im Ort. Und fotofaul waren wir am Anreisetag auch noch, trotz grossartigster Landschaften, besonders entlang der Nationalstrasse 75 und Departmentstrasse 994, blieb die Kamera ungenutzt im Rucksack. Den Bummel durch das Ortszentrum des 40 km entfernt von Avignon gelegene 2600 Seelendorfes Bedoin holen wir heute Vormittag nach. Am Fusse des Mont Ventoux ist Bedoin ein bei Radlern beliebter Ort, die das Dorf als Ausgangspunkt für die serpentinenreiche Fahrt hinauf zum 1908 m hohen Gipfel des Mt. Ventoux nutzen. Bereits vom Campingplatz haben wir einen schönen Blick auf das Ortszentrum mit der imposanten Kirche Saint Pierre. Der im Jahr 998 gegründete, lebhafte Ort mit verschiedenen Bars, Bäckereien und 2 kleinen Supermärkten liegt inmitten des Weinanbaugebietes der Vaucluse. Der kahle Gipfel des Mount Ventoux sticht aus der grünen Landschaft wie ein teilrasierter Haarschopf hervor (nicht auf dem Bild). Wir bummeln entlang der Hauptstrasse, merken uns die Lage der verschiedene Bäckereien, des Metzgers und der beiden kleinen Supermärkte. Anschliessend laufen wir über steile Treppen hinauf in die Altstadt. Durch eng beieinander gerückte Häuserfluchten ist unser Ziel der Vorplatz der Kirche Saint Pierre. Wir erreichen zunächst die Rückseite, wo zahlreiche Mauersegler das Gebäude umkreisen. Der Blick geht hinauf zur metallenen Kirchenkuppel, die genau wie der Rest des romanischen Bauwerks schon bessere Tage gesehen hat. Noch bevor uns eine Ladung Vogelkot erwischt, stehen wir auf dem Kirchenvorplatz und versuchen verzweifelt die wuchtige Kirche aufs Bild zu bekommen. Im Inneren der Kirche ist der Verfall allgegenwärtig. Durchs undichte Dacht sickert Regenwasser und hat auf dem noch immer prächtigen, himmelsblauen Kirchengewölbe hässliche Wasserflecken hinterlassen, die Buntglasfenster sind nicht mehr alle intakt, genau wie die Altäre eine Restaurierung bedürfen. Wir entzünden eine Kerze für die verstorbenen Familienmitglieder die uns am Herzen liegen und treten hinaus auf den sonnigen Vorplatz. Nach einem weiteren Bummel durch die schmalen Häuserzeilen kaufen wir in Bäckerei und Supermarkt fürs Mittagessen ein und schlendern gemächlich zurück zum Campingplatz. Für den Nachmittag ist eine kleine Wanderung in den Klöppelspitzen (Dentelles de Montmirail) geplant. Die Mittagspause haben wir genutzt, um uns ein wenig einzulesen in das Wandergebiet der geschliffenen Felsspitzen im Kalksteinmassiv der Dentelles de Montmirailles. In der näheren Umgebung wird schmackhafter Muskatwein angebaut. Muskatwein ist eine der wenigen Weinsorten die in Frankreich angebaut werden, die nicht trocken oder halbtrocken sind. Genau das richtige für die Anhänger von lieblichen Weinen wie wir es sind. Die klassische Rundtour durch die Klöppelspitzen startet im Weiler Gigondas, wir möchten eine alternative Tour mit Ausgangspunkt in der Nähe des Bergdorfes Suzette laufen, da eine Rundtour unter Einbeziehung einer Forststrasse langweilig klingt. Über das geschäftige Malaucene fahren wir auf der Route panoramica touristique  hinauf nach Suzette. Die Anfahrt gestaltet sich zu einem nervenaufreibenden Unterfangen. Alle paar Meter kommt uns ein alter Rennwagen im straffen Tempo entgegen. Nach dem 30. Rennwagen kommen wir zu dem Schluss, dass dies keine private Ausfahrt eines Oldtimerclubs sein kann, sondern was Grösseres, eine organisierte Bergfahrt o.ä. Ein paar Schrecksekunden und weitere geschätzte 40 historische Rennwagen später, erreichen wir das Zentrum von Suzette, parken das Auto und verschnaufen. Irgendwann müssen ja alle Rennwagen oben sein, denken wir. Die rasende Wagenkolonne kommt genau die Strasse in den Ort hinauf gefahren, die wir für die weitere Anfahrt zur Wanderung nutzen möchten. Wir bummeln einstweilen durch das Ortszentrum: wie in den meisten Bergdörfern gibt es ausser der Kirche nicht wirklich viel zu sehen. Die kleine Kapelle liegt am oberen (steilen) Ende des Weilers und über ein paar Treppen gelangen wir wieder zurück zum Parkplatz. Noch immer kommen in Abständen von weniger als einer halben Minute historische Rennwagen die Strasse hinauf gebrettert. Frank verspürt wenig Lust, erneut bei so viel rasendem Gegenverkehr eine schmale, kurvige Bergstrasse entlang zu zirkeln. In der Ferne erkennen wir die Dentelles, aber heute fahren wir nicht hin. Unsere Generalkarte zeigt nicht viele Alternativen an, aber direkt neben dem Parkplatz startet eine schmale Strasse die mitten hinein in die Weinberge führt. Lass uns doch mal schauen, wo es da hin geht, meint Frank und mir ist es recht. Die Strasse wird enger und enger und irgendwann erwarten wir das Ende der Strasse, aber sie führt weiter und weiter. Ein Wegweiser kündigt eine Burg an: Chateau le Barroux. Wir haben beide eine Vorliebe für alte Gemäuer und ehe wir uns versehen, fahren wir schon das schmale Sträßchen in Richtung Burg. Auf dem Parkplatz stellen wir das Auto ab und schauen mal, was uns erwartet. Als wir um die Biegung kommen, entweicht uns ein leiser Pfiff, eine solch grossartige Anlage hatten wir überhaupt nicht erwartet. Wir schlendern durch die ausgetretenen, gepflasterten Karrenwege und erkunden die Anlage. Wir sind schlichtweg begeistert. In unserem Provence-Reiseführer aus dem Michael-Müller Verlag wird die Anlage nicht erwähnt und unseren inzwischen schon ziemlich betagten Michelin- Reiseführer haben wir zu Hause gelassen. So gehen wir ohne Hintergrundinfos auf Entdeckungstour. Nach einer ausgiebigen Besichtigung sind wir zurück am Auto und verlassen den Ort über eine gut ausgebaute Strasse auf die uns das inzwischen zu Rate gezogene Garmin Navi lotst. Von der Departmentstrasse verabschieden wir uns mit einem letzten Blick von Le Barroux. Und da uns noch der Wein und Fleisch für den Grillabend fehlen, beschliessen wir einen Abstecher nach Vaison-la-Romaine zu machen, wo wir bei der Anreise zwei grössere Supermärkte gesehen haben. Zufrieden mit dem Tag lassen wir diesen zurück auf dem Campingplatz mit einer Runde durch den Swimming Pool und anschliessend gemütlich mit frischem Salat, Folienkartoffeln, Grillfleisch und Wein vor dem Zelt ausklingen. Leben wie Gott in Frankreich eben.

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