Reisesplitter - Berichte von den Reisehighlights der Canyoncrawler Schluchten, Berge &  Meer Reiseimpressionen aus Südfrankreich  © 2000 - 2011 K. Hannappel-Fein/ F. Fein - Alle Rechte vorbehalten! Tag 2: Wanderung in der Gorges de la Nesque – Hoodoos der Demoiselles Coiffees Dieser Tag gehört einer der spektakulärsten Schluchten der Provence. Nach Grand Canyon du Verdon und Gorges del Ardeche ist die Nesque Schlucht im Vaucluse Plateau einer der schönsten, aber auch unzugänglichsten Canyons. Die Departmentstrasse D942 erschliesst mit atemberaubendem Streckenverlauf den vom Flüsschen Nesque gegrabenen Canyon. Zwischen Villes-sur-Azon und Monieux laden zahlreiche Haltepunkte ein, die Aussicht auf dieser Panoramastrasse der Extraklasse zu geniessen. Der Belvedere (Aussichtspunkt) mit Blick auf den Rocher du Cire und in die an dieser Stelle 300 m tiefe Schlucht ist der Must Stopp an der D942. Eiszeitliche Einflüsse und gewaltige Schmelzwassermassen haben eine weitläufige Schlucht geschaffen, die sich durch die spärliche Besiedelung noch heute in ursprünglicher Schönheit geniessen lässt. Die D942 sind wir vor Jahren schon ein Mal mit dem Auto gefahren und haben beschlossen zum Wandern wieder zu kommen. Heute ist es soweit. Das Navi lotst uns auf dem schnellsten Weg von Bedoin in Richtung Sault, die Aussichtsstrasse durch die Schlucht heben wir uns für die Rückfahrt auf. In Monieux besorgen wir uns beim Dorfbäcker zunächst das obligatorische Baguette fürs Mittagessen und folgen dann der Beschilderung zum Plan d' Eau, einem kleinen Tümpel. Heute findet auf dem Parkplatz beim Plan d' Eau ein Trödelmarkt statt, so hat man kurzerhand eine grosse Wiese zum Ersatzparkplatz deklariert. Hier parken wir unseren Wagen, tragen reichlich Sonnencreme auf und stapfen die schmale Fahrstrasse in Richtung Monieux. Im Ort suchen wir noch nach dem Start des GR9 als eine etwa 10köpfige Wandergruppe eine steile, ausgetretene Treppe im Ort hinaufsteigt. Wir schliessen uns an und treffen schon bald auf die rot-weisse Streifenmarkierung des Grande Randonee (Grande Randonee sind die überregionalen Fernwanderwege, die Frankreich flächendeckend durchziehen und meist durch grandiose Landschaften führen). Der Weg verläuft zunächst schweisstreibend mit knackigem Höhenprofil oberhalb der Strasse und schnaufend kämpfen wir uns den steilen Pfad der Cote Renard nach oben. Bei einer Trinkpause geniessen wir den Blick zurück auf Monieux und die fruchtbare Kulturlandschaft der Provence. Unter uns breitet sich die Nesque Schlucht aus, eine der unzugänglichsten Schluchten der Region. Laut unserem Wanderführer gibt es nur eine Abstiegsmöglichkeit in die Schlucht, die wollen wir später nutzen. Nach den Anstrengungen auf den ersten Kilometern verläuft der Weg beinahe eben durch die duftend grünen Hänge der Cote Renard. Die Vegetation ist so reichhaltig, dass der Weg wohl in jedem Frühjahr von wuchernden Sträuchern und Büschen befreit werden muss. Wir erreichen eine Weggabelung und folgen dem Sentier des Chapelles, der zur mittelalterlichen Kapelle St. Michel und damit zum Grund der Nesque Schlucht führt. Nach einer Weile treffen wir auf die Strasse 942 und suchen den steilen Abstieg in die Schlucht. Dieser ist nicht schwer zu finden und wir folgen dem steinigen und in Passagen ausgesetzten Pfad hinunter in die Schlucht. Franks Kommentar zu diesem Pfad von alpinen Charakter: Hier können wir auch nicht jeden runter schicken, da kommt nicht jeder unverletzt unten an. Teilweise mit Handeinsatz steigen wir den ziemlich steilen Pfad in die Tiefe. Die Aussicht ist grandios und ich muss mich zwingen, den Blick auf Füsse und Weg zu richten, sonst könnte die Wanderung böse enden. Auf einem kleinen Plateau auf halbem Wege nach unten eröffnet sich ein grandioser Ausblick. Ganz klein erkennen wir oben Radfahrer und Fahrzeuge auf der Fahrstrasse am Rand der Schlucht. Obwohl heute Sonntag ist und sich der Sommer von seiner schönsten Seite zeigt, sind überraschend wenige Wanderer unterwegs und wir geniessen nach Überwindung der gröbsten Abstiege den ansprechenden Verlauf des schmalen Weges. Mit Erreichen des Grundes der Schlucht vernehmen wir Stimmen und nähern uns der Kapelle St. Michel, dessen Umgebung viele Wanderer zur Mittagspause nutzen. Bevor auch wir uns ein Fleckchen fürs Mittagessen suchen, erkunden wir die teilweise eingestürzte mittelalterliche Kapelle. Im Inneren zeugen noch verblasste Wandmalereien von der einstigen Pracht. Kühne Baumeister haben das steinerne Gotteshaus schützend unter einem Felsüberhang platziert. Ehemals bot ein angeschlossenes, inzwischen komplett eingestürztes Rasthaus den Reisenden Unterkunft. Rund um die Kapelle ist uns zu viel los und wir suchen uns für die Mittagsrast eine einsamere Stelle. Der Weg quert die Nesque. Der kleine Fluss trocknet in heissen Sommern vollständig aus. Heute zeugt nur ein kleines Rinnsal von der Kraft im Frühjahr, wenn Schmelzwasser aus den Hängen des Mont Ventoux den Bach nährt. Auf glitschigen Steinen überqueren wir den Wasserlauf (es gibt keine Brücke) und beginnen den Aufstieg aus der Schlucht. Beim Abstieg haben wir relativ flott die Höhenmeter gelassen, die wir jetzt zu einem grossen Teil wieder hinaufsteigen müssen. Die Sonne hat ein Einsehen, verhüllt sich mit Wolken, sodass die Anstiege nicht ganz so schweisstreibend werden wie erwartet. Leider sind jetzt auch die Bilder nicht mehr so leuchtend und ausdrucksstark. Als wir in der Ferne ersten Donnergrollen vernehmen, legen wir einen Zahn zu und folgen dem Weg der uns aus der Schlucht führt und dabei durch einen kleinen Märchenwald führt. Der letzte Kilometer verläuft tunnelartig durch einen Wacholderhain, den seltenen phönizischen Wacholder. Leider summt es und brummt es in den dichten Büschen, ein Schwarm Moskitos nimmt die Verfolgung auf und ein wenig unheimlich ist es hier auch, so ganz ohne Sonne die von einem dichten Wolkenschleier verhüllt, nicht durch das üppige Grün brechen kann. Wir überqueren die Brücke beim Gite de Etape am Plan d' Eau und erreichen den improvisierten Parkplatz. Der Wanderführer hat nicht zu viel versprochen: die Gorges de la Nesque ist eine wilde, abweisende Schlucht, aber auch atemberaubend schön. Der Pfad ist in der Tat ausgesetzt und verlangt Schwindelfreiheit und Trittsicherheit und Kondition sollte man für die Anstiege auch mitbringen. Über die Panoramastrasse D942 fahren wir zurück nach Bedoin. Bei fehlender Sonne stoppen wir nur vereinzelt an den Haltepunkten und sehen zu, dass wir zurück nach Bedoin kommen, wo ich für heute noch ein weiteres Ziel ausgemacht habe - Hoodoos. Die müssen wir allerdings noch suchen, wir haben nur die GPS-Koordinaten, keine Wegbeschreibung. Zurück in Bedoin werfe ich das Garmin-GPS an und starte die Navigation zu den Demoiselles Coiffees, Hoodoo-Felsen die ich bei der Vorplanung auf Fotos von Google-Maps entdeckt habe und die mich direkt fasziniert haben. Frank brummt zwar etwas von müde nach der Fahrt, biegt im Kreisel im Ortszentrum aber dann trotzdem auf die D974 in Richtung Mont Ventoux ab. Luftlinie sind es von hier knapp 2 km und wir suchen die Abfahrt die uns am dichtesten an die Felsen heranbringt. Als die Entfernung zu den Hoodoos wieder grösser wird, wenden wir und nehmen eine der kleinen Strassen die zunächst schmal zwischen den Häusern verläuft und dann das Ortszentrum verlässt. Kleine Begeisterungsstürme im Wagen, als das GPS brav die Entfernung nach unten korrigiert. Nachdem die Teerdecke endet, parken wir den Wagen und Frank beschliesst im Auto zu warten, während ich mit GPS bewaffnet den holprigen Fahrweg (für PKWs nicht zu empfehlen) entlang laufe und die Hoodoos der Demoiselles Coiffees suche. Der Richtungspfeil zeigt an, dass ich genau auf die Demoiselles zu laufe, die sich wohl im Wald verstecken, man sieht jedenfalls nichts. Als ich nur noch 300 m von den Hoodoos entfernt bin und noch immer nichts erkennen kann, bietet sich eine Anhöhe neben dem Weg als Ausguck an. In der Senke im Wald schimmern zwischen den grünen Bäumen kegelförmige Felsen durch, die Demoiselles. Schnellen Schrittes laufe ich den Weg nach unten und suche einen Abstieg in den Wald. Über einen Trampelpfad an einem eingestürzten Holzverschlag vorbei erreiche ich den Platz wo die Hoodoos stehen und bin hin und weg. Ausser mir ist niemand zu sehen und ein bisschen unheimlich ist mir hier, alleine Mitten                                                                                                  im Wald. Doch die Neugier siegt und ich streife umher um mir die verschiedenen Formationen anzuschauen. Am besten gefällt mir diese Hoodoogruppe. Weiter im Wald verbirgt sich dieses Prachtexemplar, dass sicher 5 m Höhe erreicht. Nachdem die Fotos im Kasten sind mache ich mich gut gelaunt auf den Rückweg. In Hochstimmung erreiche ich das Auto, wo Frank sich inzwischen Sorgen gemacht hat. Meine Begeisterung und die Schilderung von meterhohen Hoodoos macht in neugierig, jetzt möchte er die Hoodoos doch sehen. Wir suchen uns einen anderen Parkplatz, da das Fahrzeug zunächst etwas ungünstig parkte und laufen erneut die holprige Piste entlang, die wir jetzt schon früher verlassen und einem gut sichtbaren Trampelpfad in den Wald folgen. Durch den lichten Kiefernwald erreichen wir dieses Mal direkt den Grund des Waldes. Frank ist sichtlich angetan von den Hoodoos. Genau wie mir fallen ihm die Zeichen von Zerstörung auf. In den Sandstein hat man gleich mehrfach Tritte hineingeschlagen um auf die Felsen klettern zu können. Geschwärzte Reste von Lagerfeuer findet man überall zwischen den Felsen, eingeritzte Namen und Holzkohle-Schmierereien. Offenbar wissen einheimische Vandalen diesen Naturschatz vor ihrer Haustüre nicht zu würdigen. Eine französische Grossfamilie ist inzwischen eingetroffen, die Frauen packen eine Picknickdecke aus und die Söhne beginnen mit den Vätern ein Fussballspiel, mitten zwischen den Felsen. Der Ball knallt mit Wucht gegen die schönste der Hoodoogruppen - das ist zu viel für uns wir laufen weiter und schauen, ob noch weitere Hoodoos in dem Areal zu finden sind. Hoodoos finden wir keine mehr, dafür Slickrockflächen die ein wenig Moab-Feeling aufkommen lassen. Zurück bei den Hoodoos kraxeln die Kinder inzwischen auf den Türmchen herum und wir ziehen uns kopfschüttelnd endgültig zurück. Wer die Demoiselles sehen möchte, sollte sich beeilen, schon bald stehen sie wohlmöglich nicht mehr. Frank hatte während der Wartezeit die Umgebung der Strasse erkundet und einen schnelleren Weg auf die Hauptstrasse gefunden, diesen nehmen wir jetzt. Zurück auf dem Campingplatz schnappen wir uns Badekleidung, Buch und Handtuch und entspannen eine Weile am Pool bevor es Zeit wird das Abendessen zu Kochen.

Größere Kartenansicht

Größere Kartenansicht