Reisesplitter - Berichte von den Reisehighlights der Canyoncrawler Schluchten, Berge &  Meer Reiseimpressionen aus Südfrankreich  © 2000 - 2011 K. Hannappel-Fein/ F. Fein - Alle Rechte vorbehalten! Tag 3: Ockerbrüche der Vaucluse: Colorado de Rustrel – Roussilon Der heutige Tag soll ganz im Zeichen des Ockers stehen. Der Ockerabbau in Roussillon kann auf eine lange Tradition zurückblicken, bereits in der Steinzeit nutzte man die Pigmente zum färben und malen. In der Antike trieben die Römer mit dem Ocker einen regen Handel und verschickten über den Seehafen Marseille die Ockerpigmente in alle Welt. Zur Wanddekoration, Bemalung von Töpferwaren oder als Gesichtspuder wurde Ocker zum universellen Handelsgut. Nachdem der Ockerabbau im Mittelalter zum Erliegen kam, wurde dieser Ende des 18. Jahrhunderts wieder aufgenommen. Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein wahrer Ockerboom ein und die farbigen Pigmente wurden erneut in alle Teile der Welt exportiert. Aufgrund des Fortschritts in der chemischen Industrie und kostengünstigerer Lösungen erfolgte bereits vor dem 2. Weltkrieg der langsame Niedergang des Ockers. Die weltbekannten Ockerbrüche liegen brach und heute kommen Touristen um die bizarr verwitterten Ockerabbruchstellen zu bewundern. Wir fahren heute zunächst nach Rustrel. Die dortigen Ockerbrüche im Colorado de Rustrel sollen weitläufiger und spektakulärer sein. Doch irgendwie ist heute kein guter Tag. Die Dorfdurchfahrt in Bedoin in Richtung Mt. Ventoux ist wegen des Wochenmarktes gesperrt und wir fahren zunächst etwas planlos in eine andere Richtung bevor uns das Navi wieder findet und uns über eine Alternativstrecke nach Rustrel lotst. Eine weitere Streckensperrung einer Departmentstrasse beschert uns eine Fahrt über kleinste Departmentstrassen südlich der Nesque Schlucht die auf unserer Shell-Generalkarte nicht verzeichnet sind. Dafür kommen wir durch eine so ursprüngliche und wilde Landschaft dass wir jederzeit damit rechnen, dass uns Pferdefuhrwerke statt Autos entgegen kommen. Die Fahrt auf den schmalen und kurvigen Departmentstrassen kostet Zeit und eine alte Klosteranlage (?) tut ihr übriges dass wir Saint Saturnin les Apt erreichen, als der Zeiger der Uhr 12.00 Uhr Mittags bereits überschritten hat. Der Dorfbäcker hat bereits geschlossen und im Spar Markt wird gerade das Rollgitter für die Siesta hinuntergelassen. Oh je, unser Mittagessen wird heute dürftig ausfallen. Ein blühender Teppich aus leuchtend roten Mohnblumen nötigt uns zum stoppen. In Rustrel folgen wir der Beschilderung zum Colorado Provencale (wie die Ockerbrüche auch genannt werden) die aber plötzlich aufhört. Etwas ratlos kurven wir auf der Strasse in Richtung Apt, wenden und nehmen eine der Rechtsabgehenden schmalen Strässchen und landen auf dem Campingplatz. Die nächste Abfahrt verspricht mehr Erfolg, führt am kleinen Weiler Bouvene vorbei und nach einer längeren Fahrt durch Baumbestandene Wiesen kommen wir tatsächlich zum Parkplatz. Dort verlangt man 4 Euro fürs Parken, der Eintritt in die Ockerbrüche ist noch immer kostenlos. Leider kommt jetzt Sperrung die Dritte. Die Dame im Kassenhäuschen am Parkplatz erklärt uns, dass der Rundweg der Chemin des Fees (Feentürme) wegen eines Erdrutsches gesperrt ist - und zwar schon seit 2005. Davon steht kein Wort in unserem aktuellen Provence-Reiseführer (Neuauflage von 2009). Sie empfiehlt uns den anderthalbstündigen Rundweg durch die Sahara. Wir sagen artig danke und stärken uns vor der Wanderung erst mal mit Müsliriegeln und Oatsnack Bars und sind zunächst ziemlich enttäuscht. Gerade die Feentürme sollten das Highlight der Wanderung sein. In unserem Rother Wanderführer von 2001 wird eine achtförmige Rundwanderung beschrieben unter Einbeziehung von Sahara und Chemin des Fees. Nun hilft nichts, wir trotten los und suchen den Einstieg zum Sahara-Rundkurs. Dabei laufen wir erst mal in die falsche Richtung und landen auf der Strasse. Warum folgen wir nicht einfach den Schildern "Sahara" anstatt der kleinen Karte im Reiseführer meint Frank, gute Idee finde ich und wir erreichen tatsächlich den Wanderweg, der uns durch eine Märchenwelt aus zarten Pastelltönen und leuchtenden Ockertönen hindurchführt. Die Landschaft verzaubert uns, bietet immer wieder neue und schöne Ausblicke. Wir erklimmen die farbenprächtigen Hügel und toben durch den teilweise lockeren Ockersand. Schon bald sind unsere Schuhe mit einem farbenfrohen Puder überzogen. Den empfohlenen Abstecher zu dem kleinen Wasserfall laufen wir auch, sind aber etwas enttäuscht von dem schmalen Rinnsal das dort in den kleinen Bach plätschert. Das Foto wird wegen kontrastierendem Sonnenlicht nicht mal mittelprächtig und wir fotografieren lieber die bunten Ockerabbrüche. Zurück am Ausgangspunkt des Looptrails werden wir beide von einer Unruhe gepackt. Die Fotos der Feentürme spucken noch immer in unseren Köpfen herum. Man könnte doch zumindest mal einen Blick auf den Weg riskieren. ;-)  Obwohl man alle Markierungen entfernt hat, ist der Aufstieg nicht schwer zu finden (besonders wenn man noch eine alte Auflage eines Wanderführers hat) und wie Diebe in der Nacht erklimmen wir den schmalen Pfad in den Wald. Der Weg ist bis auf eine Stelle wo er abgerutscht ist und man etwas grössere Schritte hinlegen muss, ganz passabel. Als wir fast oben sind, versperrt ein Holzgatter den Pfad. Ein kleine Inschrift im Holz ist so verwittert, dass man das Passage interedit ;-) kaum noch lesen kann. Und was heisst das überhaupt ? Das werden wir später im Wörterbuch nachschlagen :-))  und folgen dem Trampelpfad am Gatter vorbei. Wir erreichen das Plateau, treten um eine Biegung und geraten in Entzücken. Vor uns breiten sich die Feentürme in all ihrer Schönheit aus. Majestätisch liegen sie da und wir machen uns auf, ein paar Fotos zu schiessen. Die farbenfrohen Ockerbrüche sind hier zu tonnen- und spitzenartigen Säulen, Türmchen und Zinnen verwittert und werden gekrönt von einem gewaltigen Hoodoo der wie ein Phallus am Rande der Klippen aufragt. Wir sind schlichtweg begeistert von dieser Landschaft. Vergleiche mit dem Südwesten werden wach und den brauchen die imposanten Chemin des Fees nicht zu scheuen. Überwältigend schön und ganz für uns alleine haben wir dieses Naturwunder im Süden Frankreichs. Das schlechte Gewissen meldet sich, eigentlich sollten wir nicht hier sein und mit einem letzten Rundgang am Rande der Ockerfelsen verabschieden wir uns von dieser betörenden Landschaft und machen uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. An einem eingestürzten Haus kann man noch verschiedene Gerätschaften und Maschinenteile der Ockerindustrie besichtigen. Berauscht vom Ocker und seinen Farben und Formen, beschliessen wir, dass wir noch die Ockerfelsen in Roussillon sehen möchten und machen uns auf den Weg. In Roussillon suchen wir die Gruben zunächst beim Konservatorium. Nachdem wir unseren Irrtum bemerkt haben, machen wir uns auf ins Stadtzentrum von Roussillon. An einer zentrumsnahen Ausfallstrasse parken wir den Wagen, da die Parkplätze im Ortszentrum hoffnungslos überfüllt sind. Der erste Weg führt in die Bäckerei. Mit leckeren Blätterteigteilchen verwöhnen wir unsere knurrenden Mägen und stärken uns für den Sentiere des Ocres. Wir folgen der Beschilderung zu den Ockerbrüchen. Mit Blick zurück auf Roussillon bietet sich diese schöne Aussicht auf die pastellfarbenen Häuser des Ortes. Die Ockergruben schliessen im Juni um 17.30 Uhr, um 17.10 Uhr zahlen wir den Eintritt (5 Euro pro Person, wenn ich mich recht erinnere) und schlüpfen durchs Tor. Der erste Blick entlockt uns ein Wow, und wir beeilen uns, den mit Holzstufen gesicherten Abstieg hinter uns zu bringen. Die Farbpalette reicht von weiss, über kräftiges Gelb bis hin zu verschiedenen Rot- Tönen. Leuchtend grüne Kiefernwälder sorgen für Kontrast zu den intensiven Ockerfarben. Bizarr verwitterte Klippen und Steilaufragende, bunte Felswände begeistern uns. Ockerfarbene Felsmonolithen ragen im lichten Wald auf. Auf dem markierten Rundweg erreichen wir immer neue, schöne Aussichten auf die bizarr verwitterten Türmchen. Leider versteckt sich die Sonne hartnäckig hinter dichten Wolken und die Farben bleiben etwas dunkel und blass. Nachdem die rote Wegmarkierung wieder zurück zum Ausgangspunkt weist, schliessen wir die blau markierte Wegschleife an, die uns tiefer hinab in die Ockergruben führt. Im dichteren Wald summt und brummt es, und kaum dass wir stehen bleiben sind wir von einem Mückenschwarm belagert. Dummerweise haben wir das Autan zu Hause vergessen und in den Supermärkten in Frankreich kein uns bekanntes Insektenschutzmittel auftreiben können. Da hilft nur die Flucht und wir gelangen über eine metallene Brücke zurück zum Ein- und Ausstieg in die Ockerbrüche. Nach 18.00 Uhr verlassen wir das inzwischen mit einem Metalltor abgesperrte Gelände durch ein Drehkreuz und machen uns auf in die Altstadt von Roussillon, wo wir bei der Ankunft schon einige viel versprechende Gassen ausgemacht haben. Der Ocker-Tourismus hat der Gemeinde zu einigem Wohlstand verholfen und so sind die Bauten der Altstadt in exzellentem Erhaltungszustand. Das Rathaus und die angeschlossene Bücherei präsentieren sich gar prächtig. Ein weiteres Highlight ist der Uhren- /Glockenturm mit einem bogenförmigen Durchgang. Frank lässt es sich nicht nehmen, vor dem Turm für ein paar Fotos zu posieren. Durch die schmalen Gassen bummelnd kommen wir an zahlreichen Ladengeschäften vorbei wo alles rund um den Ocker angeboten wird, dazu der übliche Touristenkitsch. Roussillon gefällt uns ausgesprochen gut und wir erkunden beinahe jeden Winkel der Altstadt, steigen über steile Treppen und durch schmale Durchlässe. Auf dem Weg zurück zum Rathaus kommen wir noch an der schmucken Kirche vorbei. Geschafft aber glücklich von diesem Tag mit wundervollen Eindrücken fahren wir zurück nach Bedoin, wo wir uns nach längeren Überlegungen für die Weiterfahrt in die Seealpen am morgigen Tag entschliessen. Die Entscheidung fällt nicht leicht, gibt es doch vom Basislager Bedoin noch einige interessante Wanderungen, u.a. in den Dentelles de Montmirail die wir am 1. Tag wegen des vielen Gegenverkehrs haben ausfallen lassen. Auch die etwas abenteuerliche Wanderung durch die Veroncle Schlucht und der Aufstieg auf den Mont Ventoux. Ebenso werden die Touren durch die Venasque, Toulourenc und Regalon Schluchten und der Besuch der Römerstadt Vaison-la-Romaine auf den nächsten Besuch in dieser Gegend verschoben. Das wir irgendwann wieder kommen werden für weitere Touren in dieser noch ziemlich ursprünglichen und bezaubernd wilden Landschaft, davon sind wir überzeugt. Doch zunächst sind wir neugierig auf die Schluchten und Berge der  Seealpen besonders auf den Mercantour National Park.

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