Reisesplitter - Berichte von den Reisehighlights der Canyoncrawler Schluchten, Berge &  Meer Reiseimpressionen aus Südfrankreich  © 2000 - 2011 K. Hannappel-Fein/ F. Fein - Alle Rechte vorbehalten! Tag 4: Panoramafahrt entlang der Gorges de la Nesque – Sault – Lac de Castillon – Seealpen – Sospel Das Zeltlager ist nach dem Frühstück schnell abgebrochen und im Wagen verstaut und nach einer Dusche sind wir startklar und verlassen die Provence in Richtung Hochgebirge. Für die Weiterfahrt in die Seealpen haben wir uns eine Route überlegt, die uns fast ausschliesslich über grün umrandete Panoramastrassen in das Département Alpes Maritimes führen soll. Zunächst fahren wir über die bekannte D942 in Richtung Sault - durch die Gorges de la Nesque, jene unzugängliche Schlucht die wir am 2. Tag erwandert haben. An den schönsten Aussichtspunkten stoppen wir für ein paar Fotos. Die Strasse wurde so kühn in die Felswände gebaut, dass einige Tunneldurchbrüche nötig waren. Das Weitläufigkeit und der ursprüngliche Charme diese Landschaft begeistern uns auch heute wieder, bei der 3. Befahrung der Nesque Schlucht (die 1. Befahrung war 1998, die 2. vor 2 Tagen). Im Hintergrund sieht man den kahlen Gipfel des Mont Ventoux. Nachdem die Speicherkarte kurzzeitig viele Bilder aufnehmen musste, hat sie jetzt Pause, wir müssen sehen dass wir vorankommen. Von Sault geht es zunächst noch auf der D942 nach Norden, bevor wir auf die D946 einbiegen und der "Route de la Lavendel" am Jabron Fluss entlang nach Osten folgen. Für die Lavendelblüte sind wir noch zu früh dran, wir sehen einzelne Felder, die sich aber mehr braun-grau als leuchtend lavendelfarben präsentieren. Bei Sisteron nehmen wir die Nationalstrasse 85 (N85) die uns über Digne-les-Bains zur Route Napoleon bringt. Die Nationalstrasse 85 folgt im Verlauf der Marschroute Napoleons vom Golfe-Juan über Grasse, Digne, Sisteron und Gap bis nach Grenoble. Auf einer der schönsten Panoramastrassen Frankreichs erreichen wir die türkisblauen Wasser des Lac de Castillon. Der Stausee am Oberlauf des Verdon ist von so unglaublich intensiver türkisblauer Farbe, dass man stundenlang am Wasser entlanglaufen und darauf starren könnte. Angler und Badegäste nutzen die kühlen Fluten an diesem heissen Sommertag. Vom Lac de Castillon ist es nicht weit bis zu einem der wohl spektakulärsten Naturwunder Südfrankreichs, der Gorges du Verdon, auch Grand Canyon du Verdon genannt. Für uns ist das die schönste und eindrucksvollste Schlucht in Südfrankreich und wir haben bereits 2x einige Tage mit Wanderungen dort verbracht. Heute fahren wir brav weiter nach Osten und fahren über so einige Cols und passieren verlockende Abfahrten, wo kleine Departmentstrassen zu weiteren Schluchten (z.B. Gorges de Saint Pierre) und in Gemeindewälder und zu schön gelegenen Seen führen. Aber so ganz ohne Schluchten möchten wir heute nicht weiter fahren. Geplant war die Fahrt durch zwei der schönsten Schluchten der Seealpen, Gorges de Daluis und Gorges du Cians, wo wir uns einen Eindruck von den wilden Landschaften der Seealpen am Rande des Mercantour National Parks verschaffen wollten. Eine Strassensperre der D2202 (die durch die Gorges de Daluis) zwingt uns zur Weiterfahrt auf der N202. Den Grund für die Sperre auf dem Schild konnten wir nicht verstehen, einige Worte standen nicht im Französisch Duden.  :-( Mit der Gorges de Daluis fällt leider auch die Gorges du Cians aus, da diese uns zurück zur N202 bringen sollte, die wir jetzt gar nicht verlassen. Dafür kommen wir an Entrevaux vorbei, ein kleines Städtchen mit einer imposanten Befestigungsanlage. Leider steht die Sonne ziemlich fotoungünstig über den turm- und zinnenbewehrten Bauten der Zitadelle. Aber Entrevaux merken wir uns vor, dahin wollen wir irgendwann noch mal zurück. Inzwischen ist es schon Nachmittag, die Fahrt auf den kleinen Departmentstrassen und kurvigen Nationalstrassen hat Zeit gekostet und bis nach Sospel, dem Ort den wir für die nächsten Tage als Basislager ausgewählt haben, ist es noch ein gutes Stück zu fahren. Bei Levens fahren wir durch die Gorges de la Vesubie und über den Col de Turini und die Gorges de Piaon möchten wir zu unserem Campingplatz bei Sospel fahren. Am Col de Turini angekommen, erfahren wir, dass die Strasse D2566 komplett gesperrt ist. Wir sind ziemlich sauer, dass man die Sperrung nicht weiträumiger angekündigt hat, dann hätten wir uns die Auffahrt sparen können und wären die Südroute über den Col de Braus nach Sospel gefahren. Leider zeigt das Display der Uhr bereits 18.00 Uhr an, wir fürchten um unseren Campingplatz. Wenigstens lässt uns der Handyempfang hier am Col de Turini nicht im Stich und mit dem Handy versuche ich den Betreiber des Campingplatzes  Domaine Sainte Madeleine zu erreichen. Es klingelt und meine Frage, ob derjenige Englisch spricht wird mit einem Yes beantwortet. Erleichtert berichte ich, dass wir am Col de Turini festsitzen und den ganzen Weg nach Süden fahren müssen und erst spät auf dem Platz eintreffen werden. Dies ist kein Problem, wir sollen uns einfach einen freien Platz aussuchen und am nächsten Morgen einchecken. Wir fahren die D2566 nach Süden in Richtung Luceram, biegen aber vorher auf eine kleine Strasse ein, die als dünne weisse Linie mit grüner Umrandung wie eine schöne Abkürzung aussieht. Schön ist die Strasse, geradezu idyllisch, aber so schmal, dass wir einige Stoßgebete loswerden, man möge uns vor Gegenverkehr verschonen. Die Strasse wird schlechter, mehrmals liegen Felsbrocken die auf die Strasse gerutscht sind ungünstig in der Fahrspur, sodass ich aussteigen und diese auf die Seite kicken muss. Franks Miene verdüstert sich immer mehr, über Luceram und die D2204 wären wir wahrscheinlich längst am Col de Braus, so kurven wir noch immer über die schlecht ausgebaute Strasse. Am Col de Braus atmen wir erleichtert auf, wir erreichen die D2204. Die Strasse wird breiter, aber zieht sich noch immer in endlosen Kurven und Kehren durch die gebirgige Landschaft. Die schönsten Panoramen können wir heute nicht mehr geniessen, für die grandiose Landschaft haben wir keinen Sinn mehr. Wir wollen nur noch ankommen. Irgendwann erreichen wir Sospel und biegen auf die D2566 ein, die uns zum im Reiseführer empfohlenen Campingplatz Domaine Ste Madeleine bringt. Die Stellplatzsuche gestaltet sich langwieriger als gedacht. Es stehen viele alte Linden auf dem weitläufigen Gelände und die sondern eine harzige Flüssigkeit ab, die wir nicht unbedingt am Gewebe unseres neuen Zeltes kleben haben möchten. Erschwerend kommen noch Kirschbäume hinzu, die voll hängen mit überreifen Kirschen. Wenn die auf die Zeltplane klatschen, bleiben dunkelrote Flecken zurück. Schliesslich finden wir einen Platz wo wir das Zelt beinahe unbehelligt von Bäumen aufstellen können. Das Auto parkt unter einem Kirschbaum an dem noch einige Fürchte hängen, sodass der Nachtisch nach dem Abendessen gesichert ist.  :-)

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