Reisesplitter - Berichte von den Reisehighlights der Canyoncrawler Schluchten, Berge &  Meer Reiseimpressionen aus Südfrankreich  © 2000 - 2011 K. Hannappel-Fein/ F. Fein - Alle Rechte vorbehalten! Tag 5: Seealpen – Mercantour National Park – Tende – Sospel Der erste Tag in den Seealpen begrüsst uns mit bedecktem Himmel und wir beschliessen den Tag für eine Erkundung zu nutzen. Nachdem die Formalitäten auf dem Campingplatz erledigt sind und wir uns mit einem Frühstück aus unseren Vorräten gestärkt haben, machen wir uns über die D2204 auf den Weg in Richtung Breil-sur-Roya und Tende. Wir fahren durch eine malerische Berglandschaft, über den Cold de Brouis, die Gorges de Saorge und Gorge de Bergue. Die Sonne die sich zunächst so hartnäckig in Wolken hüllte, bricht durch und nach und nach löst sich die Wolkensuppe auf. Die Seealpen begeistern uns schon jetzt. In Saint Dalmas-de-Tende biegen wir auf die kleine Nebenstrasse zum Lac de Mesches ein um uns dem Mercantour National Park zu nähern. Kurvenreich schrauben wir uns immer weiter hinauf ins Gebirge und stoppen zunächst am Stausee Lac de Mesches. Im Val Casterino rauscht tosend der Gebirgsbach zu Tale. Wir haben unsere Freude an der stiebenden Gicht und kleben mit nassen Gesichtern direkt oberhalb des etwas glitschigen Abgrundes. Anschliessend steht eine kleine Operation an der Kamera an, die ein paar Wassertropfen abbekommen hat. In der schönen Gebirgslandschaft laden zahlreiche Wandertafeln zur Erkundung ein und wir bedauern, dass wir wegen des trüben Morgens der auf Regen hindeutete, die Wanderschuhe im Zelt haben stehen lassen. In Casterino stoppt uns zunächst eine unübersichtliche Beschilderung. Bis zum Wanderparkplatz des Fontanalbe Tales müssten wir noch etwa 2 km zurücklegen, aber an der schmalen Strasse steht ein Durchfahrt Verboten-Schild mit einem weiteren Schild darunter in Französisch. Der Blick ins Wörterbuch bringt weiterhin ratlose Gesichter und erst als ein anderer Wagen achtlos das Schild passiert tun wir es ihm gleich. An der Wandertafel parken trotz des eher schlechteren Wetters am Morgen etliche Fahrzeuge und es juckt uns in den Füssen. Eine Bergerie ist noch geschlossen, dafür stehen viele Blumen auf den Wiesen rund um die kleine Hütte. Mit der langen Anfahrt ab Sospel sind wir schon einen halben Tag unterwegs und langsam macht sich ein Hungergefühl breit und wir suchen uns ein idyllisches Fleckchen zum Kochen. Frank übernimmt das Kochen und da wir heute nicht zum Einkaufen gekommen sind, köcheln ein paar Gemüse-Ravioli aus der Konserve im Topf. Frisch gestärkt, laufen wir doch ein wenig in der Natur herum und am Lac de Mesches gehen wir ein kurzes Stück zu ein paar Ruinen, deren Bedeutung uns aber wegen der französischen Hinweisschilder verborgen bleibt. In Tende möchten wir uns im Besucherbüro des Nationalparks noch ein paar Informationen einholen und bei der Gelegenheit gleich die historische Altstadt besuchen. Die Fahrt hinab durchs Val Casterino nach Saint-Dalmas-de-Tente verläuft abwechslungsreich und so mancher Ausblick bringt unser Wanderherz zum Hüpfen. Morgen werden wir, sofern das Wetter mitspielt, mit Rucksack und Wanderschuhen zurückkehren. In Tende parken wir unseren Wagen am Bahnhof und laufen zum Besucherzentrum der Nationalparkverwaltung Mercantour. Nebenan findet man die futuristischen Betonpfeiler des Musee des Merveilles, aber für die Besichtigung haben wir bei dem schönen Sommertag keine Lust. Im Besucherbüro gibt es Infomaterial in englischer Sprache nur für den Ort Sospel (eine Beschreibung der Sehenswürdigkeiten mit Plan für einen Stadtrundgang). Für den Nationalpark sind nur Informationen in Französisch und Italienisch verfügbar, aber die junge Frau spricht Englisch und wir erkundigen uns nach den Wanderwegen in der Monte Bego Region. Viele Panels mit den Felsgravuren aus der Bronzezeit sollen noch unter einer Schneedecke verborgen liegen, auch auf dem Wanderweg ins Fontanalbe Tal muss in den höheren Lagen mit Schnee gerechnet werden. Sie empfiehlt uns eine geführte Tour, da einige Panels nur mit Führer zugänglich sind. Wir schauen uns noch die kleine Ausstellung an und brechen auf um die sehenswerte Altstadt von Tende zu erkunden. Vom Standort der Nationalparkverwaltung steuern wir zunächst einen Outdoorladen an. Für die Wanderung am nächsten Tag sind wir noch auf der Suche nach der Wanderkarte #9 von                                                                                                           Didier-Richard Verlag. Dieses Kartenblatt im Maßstab 1:50.000 deckt den gesamten Nationalpark Mercantour ab, während der Park auf den topographischen Karten des IGN im 1:25000 Maßstab sich auf verschiedenen Blättern verteilt. Didier- Richard Karten führt das Geschäft nicht und wir erwerben das IGN-Kartenblatt zum Vallee de la Roya. Beim Dorfbäcker lachen uns leckere Teilchen an und wir laufen mampfend durch die schmalen Gassen der Altstadt. Von einer Art Balkon bei einem prächtigen Brunnen blicken wir auf das Dorfzentrum das mitten hinein in die hügelige Landschaft gebaut ist und über dem sich die schmucke Kirche der Kirche Notre Dame de l’ Assomption erhebt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Eingebettet in die malerische Berglandschaft hat das kleine Städtchen einen ganz besonderen Charme. Nach wechselvoller Geschichte und Zugehörigkeit zu Italien seit 1860 sprachen sich die Einwohner 1947 für eine Angliederung an Frankreich aus. Seitdem ist das ganze Royatal wieder französisch. Wir schlendern durch die engen Gassen, steigen über ausgetretene Steinstufen von schmalen Treppen und durch gewölbeartige Durchgänge. Die Häuser hat man aus Platzmangel ineinander verschachtelt und zum Teil übereinander gebaut. Die Bausubstanz bröckelt allenthalben, viele Häuser stehen leer. Uralte Holztüren hängen windschief in den Angeln und die alten Gemäuer in manchen Gassen verströmen einen leichten Modergeruch und erzeugen so eine Atmosphäre von ehrwürdigem Alter. Die Kirche Notre Dame de l’ Assomption (auch Sainte Marie du Bois) zeigt sich mit einer schmucken restaurierten Fassade. Neugierig treten wir ein und sind begeistert von der Pracht des Gotteshauses: Wandmalereien, ein prächtig leuchtendes blaues Gewölbe spannt sich über dem Hauptaltar, liebevoll restaurierte jahrhundertealte Seitenaltäre, düstere sakrale Gemälde, ein steinernes Grab eines Herzog von Savoyen in einem Seitenschiff. In ehrfürchtigem Staunen besichtigen wir das Gotteshaus und beschliessen dabei, bei nächster Gelegenheit mal nach Rom zu fahren. ;-) Nach dem Besuch treten wir blinzelnd auf den Kirchenhof und suchen uns einen Abstieg aus dem Gewirr der engen Gassen um noch einen Blick auf die Brücke zu werfen die sich vor der Bergkulisse spannt. Auf der kurvenreichen Fahrt durchs Royatal zurück nach Sospel stoppen wir noch kurz im Städtchen Breil-sur-Roya, das uns trotz seines mediterranen Looks mit vielen pastellfarbenen Häusern nicht mehr so recht begeistern kann – die prächtige Kirche und die pittoreske Altstadt von Tende sind nicht so leicht zu toppen. Gegen 19.00 Uhr laufen wir in Sospel ein und Parken unser Auto beim Dorfplatz wo sich die männlichen Dorfbewohner zum Boule-Spiel versammelt haben. Unser Ziel ist die Hauptsehenswürdigkeit von Sospel, die mittelalterliche Brücke aus dem 11. Jahrhundert. Über dem Flüsschen Bevera spannt sich der turmbewehrte Bau der in vergangenen Zeiten als Zollhaus diente. Während des 2. Weltkrieges wurde die Brücke in 1944 nahezu vollständig zerstört, sodass der Wiederaufbau bis 1953 im mittelalterlichen Look beinahe einen Neubau bedeutete. Im Spar-Markt entscheiden wir uns für grobe Putenwürstchen und frischen Salat, bei einem der Dorfbäcker besorgen wir Baguette. Anschliessend flanieren wir ein wenig durch die mittelalterlichen Gassen der Altstadt von Sospel und lassen den Tag auf dem Campingplatz bei Bratwürstchen aus der Pfanne (auf dem Platz sind Holzkohlefeuer verboten) und einer Flasche Wein ausklingen.

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