Reisesplitter - Berichte von den Reisehighlights der Canyoncrawler Schluchten, Berge &  Meer Reiseimpressionen aus Südfrankreich  © 2000 - 2011 K. Hannappel-Fein/ F. Fein - Alle Rechte vorbehalten! Tag 6: Wanderung im Fontanalbe Tal, Mercantour National Park Nach der langen Anfahrt von Sospel starten wir gegen 9.00 Uhr an der Wandertafel 395 oberhalb von Casterino an der D91 unsere Wanderung zu den bronzezeitlichen Felsgravuren im Fontanalbe Tal des Mercantour National Park. Über die ansteigende Jeeppiste geht es hinauf zum Refuge Fontanalbe, in der Ferne die schroffen Gipfel der Region um den Mont Bego. Ein Blick zurück offenbart eine liebliche, grüne Gebirgslandschaft. Zwischen Casterino und der Fontanalbe Hütte lockt der Lac de Grenouilles, ein malerischer Bergsee, an dessen Uferzone wir ein wenig herumschlendern und dabei Murmeltiere beobachten. Der Wanderweg führt jetzt weniger steil an Bergwiesen vorbei. Mehrere Gämsen treten die Flucht an. Die Sonne versteckt sich inzwischen hartnäckig hinter Wolken, sodass die Wiesen und der Gebirgszug etwas trostlos wirken. Das Refuge Fontanalbe hat um diese Jahreszeit noch wenige Gäste. Gerade als wir vorbei gehen, bricht eine Gruppe Franzosen auf die etwas von „Nesche“ erzählen. Sie wollen uns offensichtlich was mitteilen, aber da wir kein Französisch sprechen und sie kein Englisch (sprechen wollen ;-) ) bleibt es ein Rätsel, was sie uns sagen wollen. Kurze Zeit später treffen wir auf das tag zuvor von der Besucherinformation angekündigte Schneefeld. Der Weg führt zunächst daran vorbei, je höher wir steigen, desto breiter wird das Altschneefeld und schliesslich stapfen wir mitten durch die sulzigen Schneereste am Hang. So schlimm dass wir an Umkehr denken müssen, ist es aber nicht. Das Tal öffnet sich, wird zu einem breiten Kessel. Der Lac Vert ist noch mit einer Eisschicht überzogen und von Schneeresten bedeckt. Da wir nicht wissen, wo genau der Rundweg um den See verläuft und wir nicht versehentlich im Eis einbrechen wollen, bleiben wir weiter auf der Hauptroute Richtung Lacs Jumeaux, passieren eine im Sommer bewirtschaftete Schäferei und mehrere kleinere Tümpel wo sich Schneereste hartnäckig halten. Nach dem passieren einer noch geschlossenen Hütte des National Parks teilt sich der Weg. Hinweisschilder fordern dazu auf, die Trekkingstöcke wegzupacken um nicht die Felsritzungen zu zerstören. Wir entscheiden uns für den Weg entgegen dem Uhrzeigersinn, was sich im Nachhinein als schlechte Wahl herausstellt. Wir klettern wieder durch ein Schneefeld einen steilen Hang hinauf. Dort oben sind die Felsplatten mit den Gravuren, davon trennt uns noch rutschiger Altschnee und wir dürfen die Stöcke nicht zur Hilfe nehmen. Irgendwann haben wir es auch ohne Stöcke geschafft und stehen vor den stark verwitterten Felsplatten. Deutlich erkennen wir die bronzezeitlichen Ritzungen. Auf Hinweistafeln (in Französisch :( ) werden die Motive und deren Bedeutung erläutert. Nachdem wir die Zeugnisse aus der Vergangenheit ausgiebig bewundert haben, suchen wir uns einen Platz für unsere verspätete Mittagsrast. Unten sehen wir eine weitere Hütte - an einem See und steigen über einen Pfad durch sumpfige Wiesen ab. Es ist die Rangerhütte des National Parks, um diese Jahreszeit ebenfalls noch geschlossen. Die Holzbank ist noch feucht, so wählen wir einen grossen Felsbrocken als Sitzgelegenheit und schauen auf den noch von Schneeresten umgebenen kleinen See und gegenüberliegend auf eine Wiese wo Murmeltiere frech zwischen Felsbrocken herumtollen. Als wir unsere Mahlzeit beendet haben und mit der Kamera anrücken, verschwinden sie in den Höhlen zwischen den Steinhaufen und zeigen sich nicht mehr. Wir laufen noch ein Stück auf den Wegen rund um die Rangerhütte, kommen an weitere Seen deren Ufer schneegesäumt sind. Hier oben verbergen sich noch weitere Felsgravuren die man nur mit Führer besuchen darf. Als der Pfad sich schliesslich im Schnee verliert, kehren wir um. Der Abstieg erfolgt zunächst auf bereits bekanntem Weg bevor wir schliesslich beim Jeepparkplatz des Refuge Fontanalbe den unteren Weg einschlagen der Ortsausgang Casterino auf die D91 trifft. Leider stellt sich diese Variante als wenig abwechslungsreich heraus. Wir gehen überwiegend auf steilem Pfad durch dichten Kiefernwald, ohne Aussicht auf die Berge. Daher würde ich beim nächsten Mal auf gleichem Weg zurück zum Auto wandern, zumal man ab Casterino auf der steilen, geteerten Fahrstrasse noch etwa 2-2,5 km zum Parkplatz an der Wandertafel wieder aufsteigen muss. Die Fahrstrasse laufen wir in zügigem Tempo und kommen ziemlich erledigt am Auto an. Das GPS weisst unsere Wanderstrecke mit 16,1 km aus und die 660 Höhenmeter Differenz in der dünnen Luft der Seealpen spüren wir in den Beinen, die sind müde. Für heute wollen wir uns nur noch ausruhen und fahren die vielen kurvigen km zurück zum Campingplatz in Sospel.

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